7. Jedermann-Hallen-7-Kampf am 15. und 16. Februar 2003 in Berlin

oder ein Ausflug der „Ich-hab-auch-im-Winter-fleißig-trainiert-Athleten“

Freitag 14. Februar: Es war also wieder einmal soweit. Wir rafften uns auf in diesen kalten und ungemütlichen Tagen um dem gewohnten Trainingstrott zu entfliehen und nach „hartem Wintertraining“ unsere Frühform zu testen. Für einen Großteil von uns gings im Konvoi auf dem „Highway“ gen Hauptstadt. Einige kamen nach oder waren schon in Berlin. Trotz Feierabendverkehrs gings gut voran und wir kamen ganz gespannt und voll im Zeitlimit liegend in unserer neuen Unterkunft in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions an. Dort trafen wir auf Anett und Jan, die schon die Zimmerschlüssel organisiert hatten. Die Frage, wer mit wem (in einem Zimmer) schläft, wurde schnell geklärt und somit konnte es, um dem Hungertod doch noch zu entkommen, auch umgehend losgehen zum Abendessen. Ein Tisch im „Alcatraz“ in Charlottenburg war von Ralf clevererweise vorab bestellt worden. Gesättigt durch Taccos, Nachos und sonstige mexanische Gaumenfreuden blieben wir noch eine Weile um dann gings ab in die Heia. Es muss wohl 2 Uhr gewesen sein.

Samstag 15. Februar: Um halb acht war die Nacht vorbei. Leicht verquollen und noch nicht so richtig an sportliche Glanzleistungen glaubend, wurde zum Frühstück geschlichen. Nach dem ersten Kaffee sah die Welt schon wieder besser aus. Wir mampften ausgiebig. Kathrin sogar in besonderem Maße. Ich glaube man nennt so was Bärenhunger?!
Ab zehn wurde es ernst. Abfahrt in die Rudolf-Harbig-Halle. Dort trafen wir noch auf Tom und waren somit endlich vollzählig. 10 Starter/innen für den HSV nebst mitgereistem Trainer und Anfeuerungs-Stab. Alte Bekannte vergangener 10-Kämpfe aus Scheessel, Schwerin und Paderborn komplettierten unsere Riege 4. Eigentlich wollte Anne auch noch aktiv dabei sein, hatte jedoch undefinierbare Rückenschmerzen und fiel somit schon vor dem Start aus.
Nach munterer Aufwärmprozedur bestehend aus Einlaufen bei frostigen minus drei Grad, anschließender Dehnung und sonstigen individuellen Vorbereitungstechniken gings auch schon an den 60m Start. Noch einmal alle abklatschen und ab in die Blöcke. Auf die Plätze ... fertig ... los! Nach 8,11 sec. ist Ralf als erster von uns HSV’ern im Ziel.
Nun auch gleich der erste Defekt im Team, eine Oberschenkelzerrung bei Anett galt es von der Physiotherapie vor Ort zu beheben. Dies gelang wohl auch. Vosichtshalber ließ sie den Weitsprung jedoch aus.
Alle anderen gaben auf dem Weg in die Grube unter enthusiastischem Klatschen der Mitgereisten Ihr bestes. Thomas kam mit 5,36 m am weitesten.
Was folgte, war das Kugelstoßen. Eine Entfernung von ca. sieben Metern zwischen Ring und Sandkiste galt es zu überwinden um möglichst nicht allzu sehr aufzufallen. Das gelang auch zu 99,9 %, oder ladies? Dank auch noch mal an Jan für seinen Top-Einsatz als Landschaftsgärtner in der Sandkiste.
Die nun anstehende letzte Disziplin des Tages hätte auch „Kaffee und Kuchen“ heißen können. Es war nämlich schon halb vier. Aber nein, wir gingen zum Hochsprung und gaben nochmal alle unser Bestes und waren mit dem Gezeigten mehr oder weniger zufrieden.
Soviel zum schweißtreibenden Teil des ersten Tages.
Der gemütliche Teil fand im Brauhaus in der Altstadt Spandau’s statt. Der nette Abend des letzten Jahres hatte Anlass zu einer Neuauflage gegeben. In rustikaler Athmosphäre und in unmittelbarer Nähe zum Futtertrog wurde lecker gegessen. Für ausreichend Flüssigkeitszufuhr sorgte das zehn Liter-Fass direkt auf dem Tisch. Gegen Mitternacht traten wir, körperlich und geistig nur noch minderbemittelt, den Heimweg an. Während der Fahrt trafen wir am Waldesrand sogar noch auf eine kleine Wildschweinfamilie., die gemütlich unsere Straße passierte. Im Sportlerheim angekommen ließen es sich die ganz „Harten“ auch zu dieser späten Stunde nicht nehmen, im ultimativen Partyraum bestehend aus Billardtisch, Tischtennisplatte und Tischfußballspiel noch eine Runde zu „Kickern“ bis Kathrin mit Anne, deren undefinierbare Rückenschmerzen sich in ein unerträgliches Stechen verwandelt hatten, aus dem Krankenhaus wieder kamen. Auch die Ärzte waren den ominösen Schmerzen nicht auf die Schliche gekommen. Es wurden die abenteuerlichsten Diagnosen gestellt. Von einer Rippenverletzung über Nierenbeckenentzündung bis hin zu „funktionellen Blähungen“ war alles dabei. Anitbiotika und großflächig wirkende Schmerztabletten mussten es erstmal richten. Wir wünschen Anne gut Besserung!

Sonntag 16. Februar: Es war ähnlich wie am Tag zuvor, die Stimmung musste sich erst entwickeln. Aber spätestens bei Ankunft in der Halle war sie super. Sogar unsere „hochmotivierte“ Riegenführerin war heute etwas besser drauf.
Vor zwei Stunden noch in dem Glauben heute kein Bein hoch zu kriegen, standen wir um 11.30 Uhr vor dem 60m Hürden-Parkur. Todesmutig stürzten wir dann also los, leider nur noch in verringerter Zahl. Bei Anett streikte nach wie vor der Oberschenkel und bei Thomas das Knie. Das Hürden-Laufen überstanden wir ohne Blessuren und so konnte es auch gleich mit dem Stabhochsprung weiter gehen. Die Riege durfte zusammen bleiben. Vehementes Drängeln bei der Organisation hatte Erfolg und wir durften alle auf der gleichen Anlage springen. Aufgrund des Leistungsspektrums unserer Riege von 1,70 m bis 3,70 m sollten wir auseinander gerissen werden. Aber nicht mit uns!
Es wurden also alle Kräfte mobilisiert um sich mit den verschiedenartigsten Techniken in ungeahnte Höhen zu schwingen. Unter Einsatz seines Lebens verlor Ralf sogar in einem Schuh drei Dornen. Unfassbar!
Genauso unglaublich gestaltete sich auch der abschließende 1000m Lauf. Um viertel vor drei für die eher weniger Begabten und um halb vier für die Spezis war es dann soweit. 5-mal galt es die Rundbahn zu umlaufen. Unter völliger Ausbeutung sämtlicher Akkus gelang das auch jedem. Was allerdings früher oder später folgte, ist etwas schmerzhaft und heißt Muskelkater.
Jedoch noch vor dessen Eintritt fand die obligatorische Tombola statt. Nahezu jeder durfte sich über einen netten Preis freuen. Vom simplen Zollstock über den ultimativen Dosenzusammenfalter im Froschdesign bis hin zum Gutschein für die nächsten Trainingsschuhe war alles dabei. Nach abschließender Siegerehrung unter Einbruch der Dunkelheit (gäähn!) gings direkt in die Autos und ab zurück nach Hamburg. Die einen über „Mc treck“ die anderen straight home.

Wir hatten ein Super-Wochenende und blicken voller Optimismus und in Erwartung weiterer Höhenflüge in die kommende Freiluftsaison.


Marit