Zehnkämpfer sind Alleskönner
Weitspringer greifen selten zum Speer. Sprinter sehen beim Stabhochsprung
meist nur respektvoll hoch. Und kein Diskuswerfer läuft freiwillig 1500 Meter.
Allein die Zehnkämpfer haben alles drauf. Zwei Tage lang rackern sie sich ab.
Deshalb gelten sie als die „Könige der Athleten“. Die Reihenfolge der
Disziplinen: 100m, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung, 400m am ersten Tag. Am
nächsten Morgen: 110m Hürden, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf, 1500m.
Gewertet wird nach der Punktetabelle des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.
Jedermann-Zehnkampf
Das „Jedermann“ ist eigentlich irreführend. Schließlich ist ein Jedermann-Zehnkampf nichts
anderes als ein „echter“ Zehnkampf. Der einzige Unterschied: statt
austrainierter Hochleistungs-Profis gehen motivierte Feierabend-Amateure, also
Jedermänner, in die Vielseitigkeitsprüfung. Das Adelsprädikat vom „König der
Athleten“ reizt immer mehr Normalbürger. Bundesweit wurden 2011 fast 20 Jedermann-Zehnkämpfe angeboten.
Erleichterungen gibt's nur beim Hürdenlauf (91 bzw. 76 statt 106 und 84 cm Höhe). Auch beim
Hochsprung (89 cm) und beim Stabhochsprung (119 cm) sind die Anfangshöhen
deutlich niedriger als bei Tomás Dvorák und Co.
Wer geht auf Punktejagd?
Das Zwei-Tage-Abenteuer Jedermann-Zehnkampf ist für jeden Starter eine persönliche
Herausforderung. Wer aber halbwegs fit antritt oder mehrere Disziplinen schon
mal trainiert hat, hat's natürlich leichter. Diskus, Speer oder Kugel sollten für
den Teilnehmer nach Möglichkeit keine unbekannten Flugobjekte mehr sein. Der Weg
ist das Ziel. Aber: Rekorde sind wirklich nur Nebensache. Der
Jedermann-Zehnkampf ist eine
Breitensportveranstaltung. Deshalb steht der Leistungsgedanke nicht im
Mittelpunkt.
Der Star ist die Mannschaft
Das Teilnehmerfeld ist in 11 Riegen aufgeteilt. Die
Riegenführer sind erfahrene Übungsleiter, die vor allem bei den technischen
Disziplinen Hilfestellung geben. Hat ein Teilnehmer mal gepatzt, gibt's kollektive
Streicheleinheiten. Man feuert sich untereinander an. So wächst eine Riege an
zwei langen Wettkampftagen zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Merke:
Der Star ist die Mannschaft. „Eine perfekte Organisation mit prima Betreuern.
Die liebevolle Stimmung in Hamburg brachte Riesenspaß“, bedankten sich Geert und
Gabriele Pohle im vorigen Jahr bei den Veranstaltern.
Wer sucht den Adrenalin-Kitzel?
Der Zehnkampf ist die Reifeprüfung der Leichtathletik. Deshalb weist die
Altersstruktur der Starter auf Erfahrung hin. In den Vorjahren waren 70 Prozent
aller Teilnehmer 35 Jahre und älter. Der Älteste war 72! Im Schnitt erreichen
die Jedermänner respektable 2500 Punkte. Im Rahmen des Jedermann-Zehnkampf gehen auch aktive
Zehnkämpfer („Profiklasse“) an den Start. Die Besten „knacken“ schon mal die
5000-Punkte-Grenze. Es nehmen auch Behinderte in einer Sonder-Riege teil.
Sie absolvieren vier Disziplinen.
Kuschel-Arena und Kaiserwetter
Die Jahnkampfbahn gilt als „gute Stube“ der Hamburger Leichtathleten. Die
Wettkampfbedingungen sind optimal. Und weil Wettergott Petrus offenbar ein
Zehnkampf-Fan ist, gab's in den Vorjahren milde Temperaturen und trockene Himmel.
Das Kaiserwetter und die heimelige Kulisse garantieren den Zuschauern eine
Open-Air-Party mit Atmosphäre. Zur Zwei-Tage-Veranstaltung kommen die
Jedermänner mit Kind und Kegel. Deshalb ist das Wochenende im Stadtpark auch
ein fröhliches Familienfest. Der Eintritt an beiden Tagen ist frei.